»Architekturteilchen« nennt das Museum für Angewandte Kunst in Köln (MAKK) seine bis zum 19. August 2012 laufende Ausstellung über modulares Bauen und setzt zugleich »im digitalen Zeitalter« dahinter, um vom vielgeschmähten »Plattenbau« erfolgreich abzulenken…
Und für Ablenkung sorgt in der Ausstellung das imposante Architekturmodell des innovativen Bauprojekts »Metropol Parasol«: Der Berliner Architekt Jürgen Mayer vollführte bis 2011 mitten in der spanischen Alstadt Sevillas den Bau dieser gigantischen Sonnenschirme (Parasol ist das spanische Wort für Sonnenschirm!). Aus über 3000 vorfabrizierten Holzelementen wurden die pilzartigen Bauten errichtet, unter denen sich ein Museum, Restaurants und Bars bis unterirdisch tummeln. Faszinierend ist, dass man über das Dach des eigentlich viel zu filigran erscheinenden Metropol Parasol wandeln und somit die Aussicht auf Sevilla genießen kann. Und wenn sich die Spanier schon an die bizarre Molekularküche (sprich »Teilchenküche«) eines Ferran Adrià ihren Gaumen gewöhnten, wird die Akzeptanz dieser umstrittenen hölzernen Sonnenschirme in Sevilla schnell vonstatten gehen.
Anhand von Zeichnungen und Modellen wird neben dem »Metropol Parasol« weitere vorfabrizierte, moderne Bauten wie der »Treehugger« – ein Pavillon auf der Buga 2011 in Koblenz – im MAKK vorgestellt: Mit dem Augenmerk auf digitales Konstruieren und Entwerfen gestaltete ein Team aus Studierenden der Fachrichtung Architektur der FH Trier unter Leitung von Prof. Holger Hoffmann den »Treehugger«. Mit Hilfe der Handwerkskammer Koblenz wurde der digital entworfene »Treehugger« Pavillon als modulare Holzkonstruktion mit fünfeckiger Dach-Kachelung unter Bäumen am deutschen Eck zur BUGA 2011 aufgestellt.

Dass nicht alle modularen Bauten aus heutiger Sicht faszinieren, zeigt die Ausstellung »Architekturteilchen« im MAKK auch in Rückblicken: Der 1972 errichtete und hochgelobte »Nakagin Capsule Tower« des japanischen Architekten Kisho Kurokawa besteht aus einzelnen vorfabrizierten Betonmodulen mit je einer Mini-Wohnung oder Büro. Waren in der Anfangszeiten des Baus die farbigen Gardinen in den Bullaugen der Hingucker, sieht der »Nakagin Capsule Tower« zu seinem 40jährigen Jubiläum eher erbärmlich aus. Hoffen wir, dass die innovativen letztjährigen Bauvorhaben, die in der MAKK Ausstellung »Architekturteilchen« dokumentiert werden, Ansporn geben, weiterhin vom simplen »Plattenbau« abzurücken.
Weitere Informationen zur MAKK Ausstellung »Architekturteilchen – modulares Bauen im digitalen Zeitalter«, die bis zum 19. 08.2012 in Köln läuft, erhalten Sie im
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