Möbeltrends 2012 der Kölner Möbelmesse

24. Januar 2012

Gewinner der Kölner Möbelmesse imm cologne 2012

Die Kölner Möbelmesse – imm cologne 2012 – hat ihre Pforten geschlossen und wir wagen ein Fazit dieses großen Rummels rund ums Wohnen: Was für Möbeltrends erwarten uns im kommenden Jahr für unser Heim?

»Think big!« heißt es immer noch auf der Kölner Möbelmesse

Die meist unbekannteren Möbel-Hersteller für den Massenmarkt bedienen noch das »Think big«-Prinzip der letzten Jahre: riesige Polsterlandschaften mit niedriger Rückenlehne und gepolstertem Monster-Pouf als Beistelltisch, gepaart mit quaderförmigen Wandensembles in beliebig glatter Holz-, Lack-, Kunststoff-, Glas-Front, ausladende Fernsehsessel, gerne mit technischem »Schnickschnack«. Schrankwände soweit das Auge reicht und Betten, in die man nicht hinein-, sondern hinaufsteigt. Nicht zu vergessen die überdimensionierten Esstische für die Party oder große Familienrunde. Stellt man diese ausladenden Möbel zusammen, hat man summa summarum ein gewöhnliches Einfamilienhaus von 130 qm vollgestellt, während für Küche, Bad, Diele und Kinder kein Platz mehr ist. Und so finden sich in der Uniformität der Massen-Möbel-Hersteller aus allen möglichen Ländern die praktischen Lösungen für kleine Zimmer auch nur unter Kinderbedarf.

Das »Haus« auf der Kölner Möbelmesse imm cologne 2012 mit Designklassikern: Marshmallow Sofa von George Nelson, Plywood Group CTM Tisch von Ray & Charles Eames, beides Vitra

»Das Haus« auf der Kölner Möbelmesse imm cologne 2012

Und so erscheint einem das von Nipa Doshi und Jonathan Levien eingerichtete »Haus« als ein begrüßenswertes Kontrastprogramm, steht hier doch in dem begrenzten Raumangebot der verwinkelten Räume nur zierliche Sitzgelegenheiten zur Verfügung. Zwar erschließt sich den meisten Besuchern nicht der Hintergrund dieser Möbel-Installation, da aufgrund der vielen Sesselchen und Bänke das »Haus« eher wie ein üblicher Messestand wirkt. Nur die zwei Duschen mitten in der offenen Wohnraum-Gestaltung amüsieren. Halten wir den Trend der indisch-britischen Design-Kollaboration fest: Flexibel denken, sich nicht mit Möbeln zubauen! Was heute hier steht, kann aufgrund geänderter Lebensumstände morgen woanders stehen. Versuchen Sie das mal mit riesigen Polsterlandschaften oder eingebauten Schränken!

Tojo-steck Tisch von Tojo Möbel - Gewinner der Kölner Möbelmesse imm 2012

»Trend-Seeker«: die Möbelmarken der imm cologne 2012

Flexibilität steht bei den bekannten Möbelmarken ebenfalls hoch im Kurs: Die Polsterlandschaften sind zwar noch nicht viel kleiner geworden, zeichnen sich aber durch verschiedene Kniffe aus: Hier kann ein Seitenteil von der Recamiere zum verlängerten Sofa gedreht werden, dort auf sanftem Druck Kopf- und Armlehnen angepasst werden. Selbst ans »Surfen« oder »Networken« auf dem Sofa wurde eifrig nachgedacht. Und strapazierfähige Wollstoffe, teils filzig, teils grob strukturiert, laufen dem stets beliebten Leder den Rang ab. Flexible Regalsysteme, Schränke und Tische verschiedener Möbelmarken zeichnen sich vor allem durch eine robuste Oberfläche aus: Hochdrucklaminat wird »trend-y«. Daneben setzt sich das Grazile als Trend durch: Kaum eine Möbelmarke ohne kleine Sessel; jeder hat auch eine kurze Sitzbank statt nur Liegesofas im Möbel-Programm.

Organische Möbel-Form auf der Kölner Möbelmesse imm cologne 2012: Die gern kopierten Stühle - Master von Kartell und Vegetal von Vitra treffen auf die Sommer-Neuheiten von Driade: Petite Madeleine und Marguerite

Rund bestimmt den Trend auf der Kölner Möbelmesse

Kaum eine Ecke stört die neuen Design-Entwürfe: Schalensessel bezaubern durch ihre integrierten Armlehnen, Sofas üben sich in der runden Form. Stühle lieben organische Muster – ob netzartige Strukturen, Blätter oder Blüten. Und eine »Drehung« ist notwendig – kaum eine Armlehne oder Stuhlbein vergisst sich einmal in sich zu drehen:

Ein Trend der Kölner Möbelmesse imm cologne 2012 - verdrehte Armlehnen: Jim Drehstuhl von Diwar

 

Holz gewinnt – ein stetig wachsender Trend der Kölner Möbelmesse

Vor allem das lange Jahre unbeachtete Nussbaum findet neue Liebhaber: Ob Schränke, Tische oder Stühle – die aufregendere Nussbaum-Maserung spricht an. Verloren hat nun die stämmige Eiche, die nur noch als helle Alternative angeboten wird. Daneben bleibt das »Recyclen« gebrauchter Holzstämme »in« – die Macken und Nutzungserscheinungen genutzer Bohlen sind auch zu faszinierend, auch wenn sie meist und gerne als Tische in Übergröße angeboten werden. Apropos Holz: Natürlichkeit ist angesagt und so steigt der Holz-Anteil an den Möbeln, während der zuvor beliebte Lack seltener wird.

Holz ist der wachsende Trend auf der imm cologne 2012: Ethnicraft Vollholzmöbel mit Eames Chairs von Vitra

»Zeitlos« heißt der neue Design-Trend der imm cologne 2012

Die Möbelmarken setzen Farbe als Trend selten bewusst ein, bestimmend sind auf der imm cologne 2012 schlichte Erdfarben, mal mit dunklem Violett, frischem Maigrün oder warmen Gelb kombiniert. Seltener werden kräftige Farben eingesetzt und das meist auch nur von Möbel-Herstellern, die bekannt für ihre große Farbauswahl sind. Und auch verrückte Design-Studien fehlen auf der Kölner Möbelmesse. Manchmal fällt es einem schwer, neues Design zu erkennen: zu klassisch das Design, weil meist auf eine bekannte Form zurückgegriffen wird. Während manche Möbel-Hersteller wohl lieber zu »alten« Designern wie Charlotte Perriand oder Pierre Paulin greifen, setzen die jüngeren Designer keine reißerischen Design-Akzente. Die letzten Jahre zeigen den Trend halt: Es verkauft sich besser das zeitlose Möbel-Design.

Neugierig, wer auf der Kölner Möbelmesse imm cologne 2012 den Trend setzt? Die Gewinner des »Interior Innovation Awards 2012« veröffentlich der

Rat für Formgebung / German Design Council

Tags: , , , , , , , ,

Eine Antwort hinterlassen