Geistermöbel – ein spannendes Spiel mit dem Auge

17. Mai 2010

Mailänder Möbelmesse 2010: Tokujin Yoshioka präsentiert seinen Invisible Chair von KartellIm Jahr 2000 verblüffte Kartell erstmals mit der Neuheit der »Geistermöbel«, durchscheinende, fast unsichtbare Möbel. Dieser neue stilistische Ansatz der Transparenz im Möbeldesign wurde produktionstechnisch durch den Einsatz des Kunststoffes Polycarbonat möglich. Das Patent für die Verarbeitungstechnik dieses durchgehend transparenten Kunststoffes hat die Firma Kartell vor 10 Jahren entwickelt und seitdem in Bezug auf seine Verarbeitung stetig verbessert. Kartell feierte dieses Patent mit der Präsentation des »invisible chair« von Tokujin Yoshioka auf der Mailänder Möbelmesse »Salone del Mobile 2010« – eine weitere neue Herausforderung, ist dieser recht kantige Stuhl in einer ungewöhnlichen Dicke aus Polycarbonat hergestellt worden, das visuell in seiner Verarbeitung zwar an Glas erinnert, ohne jedoch dessen hohes Gewicht zu besitzen.

Wir nehmen diesen Anlass, an die Entwicklung dieses außergewöhnlichen Materials Polycarbonat im Möbelbau zu erinnern:

La Marie Stuhl aus kristallklarem Polycarbonat von Philippe Starck für Kartell

1998 entwarf Philippe Starck den ersten Stuhl La Marie, der nur aus Polycarbonat bestand. Keine stützenden Fiberstränge oder Aluminiumgestänge, La Marie bezaubert nicht durch seine gewöhnliche Stuhlform, sondern aufgrund seines durchsichtigen Materials: Polycarbonat. Fast zwei Jahre forschte Kartell an der Verwirklichung dieses Stuhl-Entwurfs La Marie. Nicht nur neue Formen mussten hergestellt werden, nein, eine neue Produktionstechnik musste entwickelt werden. Kartell schaut gerne über den eigenen »Topfrand«: Neue Möglichkeiten der Verarbeitung werden in anderen Industriezweigen wie dem stets innovativen Fahrzeugbau oder der seriellen Produktion von Verbrauchsgütern wie Getränkeflaschen abgeschaut, überdacht, umgearbeitet und dann eingesetzt. 2000 stellt Philippe Starck seinen Entwurf La Marie der breiten Öffentlichkeit vor: »La Marie ist ein absolut außergewöhnliches Produkt. Durchsichtig, auf ein Minimum an Form reduziert, besteht es aus Polycarbonat. Das heißt, es ist quasi unzerstörbar, man kann es nicht verkratzen, es ist komfortabel, man kann ein halbes Dutzend aufeinander stapeln, und es kostet so gut wie nichts. Wie könnte ich so ein Produkt in kleinen Serien herstellen? Das wäre unmöglich.« Und er hatte Recht: Die schlichte, transparente Eleganz verbunden mit hohem Sitzkomfort lassen seinen La Marie nicht nur zu einem Verkaufsschlager, sondern auch zu einem Designklassiker werden. Übertroffen werden konnte La Marie nur durch seinen verspielten Nachfolger:

Louis Ghost Stuhl mit Charles Hocker - beides von Philippe Starck für Kartell

Seit Philippe Starck das transparente Polycarbonat für seine Design-Entwürfe produktionstechnisch verwenden kann, spielt er mit dem Auge seiner Bewunderer wie bei La Marie. 2002 entwirft er den weltbekannten und meistverkauften Designklassiker Louis Ghost Stuhl für Kartell. Kein neuer Wurf in Sachen Stuhldesign – handelt es sich doch um einen altbekannten Medaillonstuhl, der seit barocken Zeiten, dem »Louis-quinze Stil«, äußerst beliebt war und ist.

Louis Ghost Stuhl mit Armlehnen passt auch um barock anmutende Esstische

Nein, die humoreske Hommage an den »Louis-quinze Stil« wird erst Philippe-Starck-like aufregend durch das transparente Material. Von Kopf bis Fuß rein aus klarem bis höchstens zart gefärbtem Polycarbonat scheinen die Louis Ghost Stühle nahezu in jeder Einrichtung zu verschwinden. Mancher traut sich gar nicht zu setzen, aus Angst das transparente Material könnte ihn gar nicht tragen. Aber kaum einer misstraut lange diesem revolutionären Stuhl-Entwurf von Philippe Starck, seinem Louis Ghost:

Victoria Ghost Stuhl - ohne Armlehnen. Die ideale Esstisch-Kombination!

Inzwischen ist die »Geistermöbel«-Serie von Philippe Starck gewachsen: Ohne Armlehnen heißt der Stuhl Victoria Ghost, als Hocker Charles Ghost und nicht nur das, Kartell verabschiedet sich vom alleinigen »gespenstigen« Design und bringt die auffallenderen, durchgefärbten Stuhle-Varianten von Louis, Victoria und Charles in Schwarz und Weiß auf den Markt: Für alle, denen die transparenten Stühle von Philippe Starck einfach zu wagemutig sind…

Louis Ghost Medaillonstuhl in schwarz von Philippe Starck und kristallklarer Jolly Beistelltisch von Paolo Rizzatto entworfen für Kartell

Dazu kommen auch von anderen Designern entworfene Beistelltische aus Polycarbonat wie der nüchterne Jolly Beistelltisch von Paolo Rizzatto (siehe oben) und der floral »gestickte« T-Table Beistelltisch von Patricia Urquiola oder Leuchten wie die verspielte Bourgie und die klassische Take Tischleuchte von Ferruccio Laviani.

Alle faszinierenden Geistermöbel aus Polycarbonat von Kartell – La Marie, Louis, Victoria, Charles Ghost und Jolly, ob klar oder zart gefärbt bis undurchsichtig – finden Sie in unserem

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