Luminale 2010: Die ikarus…lichtinstallationen

6. April 2010

Im Rahmen der Luminale 2010 werden öffentliche Gebäude und Plätze in Frankfurt und Umgebung in neue, innovative Lichtkonzepte getaucht.  Fussgänger werden ihr Schattenspiel an der Fassade des Jüdischen Museums verfolgen oder mit der illuminierten historischen Trambahn fahren, Video-Raum-Installationen bei den Dinosauriern im Senckenberg Museum bewundern oder Lichtskulpturen wie Hive – eine über den Weiher der Alten Oper schwebende, interaktive Lichtinstallation – erfahren. Die Luminale 2010 findet vom 11. bis zum 16. April in Frankfurt parallel zur Light + Building, der internationalen Fachmesse für Licht- und Beleuchtungstechnik, statt. ikarus beteiligt sich an der Luminale 2010 mit zwei Lichtinstallationen:

ikarus...design kaufhaus Frankfurt zur Luminale 2010
Hanauer Chaussee: „Von Frankfurth nach Hanau läuft eine Kunststraße fast in gerader Linie. Ehedessen war sie nicht so gerade.“ (Chr. Wölfling 1796) – Das ikarus…design kaufhaus in Frankfurt zur Luminale 2010 (Programmpunkt 113)

Über die gesamte Luminale-Zeit wird abends eine historische Ansicht auf Frankfurt am Main mittels einer Glasmaske (Gobo) vor einem 1200 Watt starken Scheinwerfer auf die Außenfassade unseres ikarus…design kaufhaus in Frankfurt projeziert. Als Vorlage dient ein Kupferstich (27 x 11,5 cm), der ca. 1612-19 von Mattäus Merian d.Ä. graviert wurde. Er zeigt die wachsende Stadt von Südwesten aus gesehen mit ihrer davorgelagerten Messe (links) und dem schiffbaren Main (rechts). Die Frankfurter Messe hat ihren Ursprung im 13. Jahrhundert, als Kaiser Friedrich Barbarossa der Stadt Frankfurt das Privileg erteilte, eine Messe abzuhalten. Ausgehend von der Messe entstanden Handelstraßen zu anderen Handelsplätzen. Eine dieser »Via Regia«, benannt die »Hohe Straße«, verband die Leipziger Messe über Gelnhausen mit der Frankfurter Messe. Die Fuhrleute und Boten, Händler und Reisende überbrachten Waren, Nachrichten und Neuigkeiten zwischen Ost- und Westeuropa. Für die 450km benötigten sie im Mittelalter bis zu einem Monat strapazenvoller Reise. In Gelnhausen wurde die ursprünglich breit angelegte Fahrgasse durch die dichte, mitteralterliche Bebauung zum Nadelöhr: Diese engste Stelle definierte das offizielle Lademaß für alle Fuhrwerke auf dieser wichtigen Verkehrsachse. Im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert wurden die Handelstraßen begradigt und befestigt. Diese ingenieurmäßig geplanten Kunststraßen mit ihren festen Fahrbahndecken und randlichen, regelmäßigen Baumbepflanzungen, meist Chausseen genannt, ermöglichten eine schnellere Beförderung mit höheren Lasten. Entlang der Kunststraßen entstanden im 19. Jahrhundert Eisenbahnlinien, im 20. Jahrhundert Autobahnen. Damals wie heute, sind es Straßen des Handels, Kulturaustausches und der Kommunikation. Die Projektion auf die Außenfassade des ikarus…design kaufhauses, Hanauer Landstraße 136, wird technisch von der Firma GoboGobo · Ingo Kaulbach lighting & events umgesetzt.

Luminale 2010: Der Offenbacher Lili-Tempel mit Goethes Zitaten
Liebe Lili: Der Offenbacher Lili-Tempel zur Luminale 2010 (Programmpunkt 128)
mit Goethe Zitaten illuminiert

1775 lernten sich der 26jährige Johann Wolfgang von Goethe und die 17jährige Anna Elisabeth »Lili« Schönemann im heutigen Lili-Park in Offenbach kennen. Einem durchliebten Frühling folgten Verlobung und Trennung. Geblieben sind nur Goethes Erinnerungen. Erst 23 Jahre später ließ der Frankfurter Bankier Metzler einen Tempel als Badehaus nahe dem Main in den Lili-Park einfügen. Entworfen vom französischen Architekten Salins de Montfort hatte der von den Offenbachern benannte Lili-Tempel im Ober- geschoss luxeriös ausgestattete Gesellschaftsräume. In den Bade- und Nebenräume seines grottenartig gestalteten Untergeschosses wurde in Mainwasser gebadet. Im Zuge des Straßen- und Hochwasserdammbaus im 19. Jahrhundert verlor der Tempel jedoch seinen direkten Mainzugang und damit seine Bedeutung als Badehaus.
Mit der Lichtinstallation an den beiden Türmen des sanierten Lili-Tempels verbinden die Designer Fabian Thiele (Light:Tools) und Markus Bernatzky (atelier himmelbraun) Typografie und Licht zu einer poetischen Installation, die die Erinnerungen Goethes an seine wohl größte Liebe sichtbar werden lässt. Ähnlich einem aus dem Modellbau bekannten Spritzgußrahmen werden die Buchstaben aus Styropor im Fensterbogen zeilenförmig arrangiert und von hinten illuminiert. Die Beschreibung des Lili-Parks an den äußeren Seiten der beiden Türme rahmt die Erinnerung Goethes von 1775 (auf der Mainseite) und 1829 ein:
// LILIS PARK// IST DOCH KEINE MENANGERIE SO BUNT ALS MEINER LILI IHRE // SIE HAT DARIN DIE WUNDERBARSTEN TIERE//

// EIN UNBEZWINGLICHES VERLANGEN WAR EINGETRETEN // ICH KONNTE NICHT OHNE SIE // SIE NICHT OHNE MICH SEIN // 1775

// SIE WAR DIE ERSTE, DIE ICH TIEF UND WAHRHAFT LIEBTE // AUCH KANN ICH SAGEN, DASS SIE DIE LETZTE GEWESEN // 1829

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Eine Antwort zu “Luminale 2010: Die ikarus…lichtinstallationen”

  1. Beide Installationen sind ganz wunderbar.

    Die neuen “Fenster” der Türme des Lili-Parks sollten bleiben. Genau das macht doch die individuellen und guten Seiten von Offenbach aus!

    Danke dafür …

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