Stil-Macher Sebastian Frank

23. November 2016

Wingman Handtuchhalter in klarer Form, der nicht nur im Bad sondern auch als Kleiderständer bzw. Herrendiener im Schlafzimmer dient

Dass innovatives Design kein Selbstgänger ist, sondern im überzeugenden Elan mit Hilfe modernem Networking wie Crowdfunding zu bewerkstelligen ist, weiß Sebastian Frank aus eigener Hand. Grund genug, um den Münchner Designer in unserer Stil-Macher-Kolumne nach seinen Designprinzipien zu fragen:

Welches Design, welcher Gestalter oder Ereignis hat Ihren Werdegang beeinflusst?

Sebastian Frank: Genau kann ich es nicht sagen, aber ich denke dass mich vor allem meine Eltern (beide Künstler und Kunsterzieher) geprägt haben. Mein natürliches Interesse und meine Neugier an Dingen, Materialien und Formen ist ständig gewachsen – ich schaue meist auch mit den Händen…
Schilder wie »bitte nicht berühren« o.ä. ignoriere ich gezwungenermaßen oft, weil es mir meistens nicht reicht Dinge zu sehen, ich muss sie auch anfassen. Ich denke, dass daher für mich auch Haptik, Material und Qualität der Verarbeitung so wichtig für meine Produkte sind – nicht nur die Form allein.

Wie verläuft der Weg eines Produktes? Von der Idee über den Entwurf und Prototyp bis zur Fertigstellung?

Sebastian Frank: Der längste Prozess findet bei mir im Kopf statt. Es kann sein, dass ich eine Idee, ein Produkt oder nur eine Form teilweise ein halbes Jahr oder länger mit mir »herumtrage«, bevor ich etwas zu Papier bringe und das sind dann meist Notizen und kleine Gedankenstützen – und keine Skizzen oder Zeichnungen. Ich spiele alles mehrfach im Kopf und vor meinem geistigen Auge durch und habe irgendwann eine ziemlich genaue Vorstellung von dem fertigen Produkt. Das kann sogar so weit gehen, dass ich mir vorstelle, in welchen Läden und mit was für einer Verpackung ein Produkt am Ende angeboten wird.
Der eigentliche Entwurfs- und Designprozess ist damit eher kurz und geht oft recht schnell. Am Rechner erstelle ich 3D Daten und lasse dann entweder Muster fertigen oder bei kleineren Teilen 3D Drucke, um Proportionen und Funktion zu prüfen. Wenn alles passt, geht es um die richtige Wahl eines Lieferanten für die Produktion. Oft ist das der langwierigste und anstrengendste Part, weil es hier um Kosten und somit um den Produktpreis geht. Im besten Fall findet man den richtigen Partner für die Produktion und kann sich dann um den Vertrieb und alles was damit zu hat (Fotoshootings, Verkaufsunterlagen, Verpackung etc.) kümmern. Ich hätte das nicht für möglich gehalten, aber jedes Produkt ist aufs Neue spannend und eine große Herausforderung; auch weil selten etwas auf Anhieb – oder so wie man es sich vorgestellt hat – klappt.

Rocket Eierbecher – der vielversprechende Erstentwurf, der sich nun auf vielen Tischen zum Frühstück tummelt

Welches Produkt war Ihr größter Erfolg versus Ihr meist gelungenes Design?

Sebastian Frank: Ich denke, dass der Eierbecher »Rocket«, der zugleich auch mein erstes eigen produziertes Produkt ist, der größte – zumindest kommerzielle – Erfolg ist. Ohne überheblich klingen zu wollen, denke ich dass es schwer sein wird, nochmal so einen Entwurf zu landen, aber ich arbeite daran …
Das lag aber auch daran, dass ich bei dem gesamten Prozess sehr blauäugig und teilweise naiv vorgegangen bin, ohne mir viele Gedanken zu machen, was alles schief gehen kann und woran man alles denken muss, wenn man plötzlich nicht nur entwirft, sondern auch produziert und vertreiben möchte. Die Lernkurve bei diesem Produkt bzw. Projekt war zumindest enorm – was mir wiederum sehr viel Spaß gemacht hat, weil eben alles das erste Mal war. Diese Erfahrungen helfen mir natürlich jetzt bei den neuen und kommenden Produkten, die ich wieder in Eigenregie umsetzen möchte.

Wie gewichten Sie Ästhetik, Funktion, Nachhaltigkeit im Design?

Sebastian Frank: Alle drei Punkte sind für mich als Designer und persönlich enorm wichtig. Nachhaltigkeit und Funktion gehören für mich zusammen – Ästhetik ist Geschmackssache und kommt im besten Fall dazu.
Ein funktionierendes Produkt ist insofern nachhaltig, dass es benutzt werden kann und das möglichst lange und hoffentlich gerne. Ein nicht funktionierendes Produkt kann aus besten und nachhaltigsten Materialen gefertigt sein. Wenn es aber nicht funktioniert, wird es entweder nicht verwendet oder gleich entsorgt und ist demnach in keiner Weise nachhaltig.
Auf meiner Homepage (www.sebastianfrank.design) habe ich ein Zitat von William Morris (einem Architekten aus dem 19. Jh.) stehen, das lustigerweise hier sehr gut passt: »Habe nichts im Hause, von dem du nicht weißt, ob es nützlich ist und nichts von dem du nicht glaubst, dass es schön sei.«

Freebird Couchtisch - auch beim klassischen Beistelltisch fürs Wohnzimmer bleibt der Münchner Designer seinem klaren Stil treu

Gibt es ein design- bzw. einrichtungstechnisches »No-Go« bei Ihnen?

Sebastian Frank: Die Couch meiner Freundin – sie weiß wie das gemeint ist …;)

Welche kommenden Herausforderungen sehen Sie im Bereich Design? Wie wird sich das Wohnen in der Zukunft verändern? Fortschreitende Technisierung oder Rückbesinnung auf das Handwerkliche?

Sebastian Frank: Technische Entwicklungen lassen sich nicht aufhalten und das ist auch gut so, sonst würden wir ja stehenbleiben. Die Gegenbewegung kommt damit ganz automatisch. Ich denke, dass es kein Zufall ist, dass sich genau in dieser Zeit wo alles digitaler und technischer um uns herum wird, die Menschen wieder nach Gegenpolen sehnen. Handwerkliche Berufe und das Interesse an natürlichen Materialien und traditionellen Fertigungen boomen und erfahren eine Aufwertung. Die Aufgabe für Designer wird darin liegen, diese Strömungen zu erkennen, aufzugreifen und dann entsprechende Angebote zu machen.

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