Stühle aus Bugholz – stets zeitlose Designklassiker

11. Dezember 2017

Body Holzstuhl der Wiener GTV Design – oder der alte Designklassiker als Holzstuhl in moderner Form von Nigel Coates

Seit mehr als hundert Jahren ziehen sie vom einstigen Wiener Kaffeehaus in die große, weite Welt: Nicht zu Unrecht gelten Stühle aus Bugholz als bewährte, immerwährende und somit zeitlose Designklassiker, die sich in ihrer schlichten Eleganz überall anpassen …

»No. 1« Holzstuhl von Michael Thonet als Neuauflage der Wiener GTV Design – der Designklassiker aller Bugholz-Stühle mit Kringel in der Rückenlehne

Auch wenn die Bugholz­möbel heutzutage weltweit gefeiert werden, der Weg zum Erfolg war äußerst steinig: Nach seiner Tischlerlehre macht sich Michael Thonet (1796 – 1871) in Boppard 1819 als Möbeltischler selbstständig. Das aufkommende Bürgertum der später als Biedermeier benannten Zeit sorgt für einen steigenden Bedarf an zweckmäßigen und kostengünstigen Möbel‌n, die die kleine Werkstatt mit Stühlen, Tischen und Truhen in klaren Linien und mit wenigen Verzierungen bewerkstelligt. Der stete Preisdruck führt Michael Thonet zu ersten Experimenten, die Möbel-Produktion zu vereinheitlichen und somit kostengünstiger zu gestalten.

Schaukelstuhl von Michael Thonet für GTV: Wer einen Schaukelstuhl sein Eigen nennen möchte, setzt auf diese Eleganz in Schwüngen!

Statt stundenlangem Sägen, Hobeln, Drechseln und Schnitzen nutzt er entweder günstig herzustellende Stiele oder verleimte Holzstreifen aus Ahorn- oder Buchenholz. Um dieses ohne Risse zu biegen, wird das Holz zunächst lange über heißem Dampf durchnässt, um das Lignin des Holzes zu erweichen. Mittels Metallschienen wird das durchweichte Holz in seine gewünschte Form gebogen, hernach das Bugholz in einer Kammer bei gleichbleibend hoher Temperatur von 80°C mindestens zwei Tage getrocknet, um ein späteres Reißen zu verhindern. Mit diesen einfachen Produktionsschritten lässt sich somit aus wenigen Holz­teilen immer wieder ein exakt gleicher Stuhl in relativ kurzer Zeit produzieren. Kurz gesagt, mit seinem lang entwickelten Vorgang der einzelnen, exakt festgelegten Produktionsschritte erfindet Michael Thonet die serielle und kostengünstigere Produktion in der Möbelherstellung!

»No. 14« Stuhl von Michael Thonet – der »Konsumstuhl« der GTV: Ohne Zierrat günstig in der Herstellung, platzsparend zum Versand verstaubar, leicht zusammenbaubar entwickelt sich dieser Holzstuhl schnell zum beliebten Designklassiker, der trotzdem nicht billig aussieht!

1836 entsteht so der Bopparder Schichtholz­stuhl, den Michael Thonet 1841 auf der Koblenzer Gewerbe­ausstellung vorstellt, wo Fürst Klemens Wenzel Lothar von Metternich ihm wohl den Ratschlag gibt, seine Firma in das aufstrebende Wien zu verlegen. Als 1842 sein Betrieb aufgrund der teuren Patent­anmeldungen in finanzielle Schieflage gerät, folgt der nun mittellose Michael Thonet seinem Ruf, arbeitet aber einige Jahre als Tischler bis er 1849 wieder genug Geld hatte, um eine eigene Werkstatt mit seinen fünf Söhnen zu gründen. 1850 entsteht sein Stuhl No.1, für den er bei der Londoner Industrieausstellung 1851 die Bronzemedaille erhielt. 1859 folgt Stuhl No.14, für den die Werkstatt 1867 auf der Pariser Weltausstellung die Goldmedaille erhalten. 1860 kommt der Wiener Schaukelstuhl auf den Markt, der aufgrund seiner Leichtigkeit sich schnell zum Erfolgsmodell entwickelt. Der Erfolg führt nicht nur zu einer stetig verbesserten seriellen Herstellung der Möbel, die in Wien beheimatete Werkstatt weitet sich aus, eröffnet 1856 in Koritschan, 1861 Bistritz, 1865 Ugrócz, 1867 Hallenkov, 1880 Nowo-Rodomsk, 1889 in Frankenberg Zweigstellen, die allesamt mit einem gesunden Holzreichtum in der Umgebung gesegnet sind, während die Wiener Werkstatt aufgrund von Platzmangel im Laufe der Jahre aufgegeben wird.

Auch Armlehnstühle entwickeln die Gebrüder Thonet: 1904 den Wiener Stuhl mit geschwungenen Armlehnen

Auch nach dem Tod Michael Thonets wächst und gedeiht die Firma, vor allem der als »Konsumstuhl« bezeichnete Stuhl Nr.14 feiert weltweit seinen Erfolg: Günstig in der Herstellung lässt sich dieser schlichte Entwurf in seinen Einzelteilen 36 mal in einer Holzkiste von einem Kubikmeter verpacken und somit auch kostengünstig in die ganze Welt verschicken. Somit wurden nicht nur Kaffeehäuser von Barcelona bis Berlin, Prag bis London mit dem typischen Kaffeehausstuhl bestückt. Der Kaffeehausstuhl findet sich ebenso in New York und Chicago, wo die Firma Verkaufsräume unterhält. Aber auch im Design bleiben die Gebrüder Thonet nicht untätig, entwickeln Armmlehnstühle wie 1904 den »Wiener« Stuhl, der die Schlichtheit der No.14 aufnimmt.

Body Holzstuhl von Nigel Coates für Wiener GTV Design – die neue Form in alter Produktionsweise lässt sich auch mit Bewährtem kombinieren

Nach dem zweiten Weltkrieg teilt sich die Firma in drei Stränge: 1953 gründet sich das Familienunternehmen Thonet in dem kleinsten, aber in Deutschland verbliebenen Werk Frankenberg neu, setzt aber zunächst auf das Weiterproduzieren ihrer berühmten Stahlmöbel der Bauhaus-Zeit und später der Entwicklung neuer Entwürfe. Im tschechischen Bystřice pod Hostýnem übernimmt TON den bestehenden Betrieb und baut in der alten Produktionstechnik die gängigsten Kaffeehausstühle weiter. TON kann somit sagen, dass es das einzige Werk ist, das seit 1861 nahezu durchgehend die Thonetschen Stühle herstellt. 1963 gründet sich im steiermärkischen Friedberg die Gebrüder Thonet Vienna (GTV), die 2003 von Franco Moschini, dem Chef der Poltrona Frau Gruppe, aufgekauft werden. Um sich fortan in der Qualität zu verbessern, wird die Herstellung der Möbel aus Osteuropa nach Italien verlegt.

Morris Polsterstuhl von GamFratesi für GTV verbindet alte Form mit mehr Komfort

Statt sich jedoch nur in der Herstellung bewährter Designklassiker von Michael Thonet zu verlieren, setzt die neugegründete Firma Wiener GTV Design nun auch auf neue Entwürfe wie den »Czech« Stuhl von Hermann Czech, den »Body« Holzstuhl von Nigel Coates, den »Morris« Stuhl von GamFratesi oder »Hideout« Sessel von Front. Trotz aller Neuerungen lebt in diesen Entwürfen der Geist Thonets weiter, wird die von ihm entwickelte Produktionstrategie in den neuen Möbel‌n weitergegeben. Somit kann man ruhigen Gewissens einen Designklassiker mit einer GTV Neuheit kombinieren – beide zeichnen sich in zeitlosem Design aus!

Hideout Sessel von Front der Wiener GTV Design – das feine Geflecht schirmt den komfortabel in den Polstern Sitzenden von seiner direkten Umgebung ab

Alle vorgestellten Bugholz­möbel der Wiener GTV Design erhalten Sie in unserem

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