Monobloc – ein Stuhl für die Welt

14. März 2017

Monobloc Plastikstuhl in Österreich; Foto: Jürgen Lindemann, © Vitra

Fällt das Stichwort »weißer Plastikstuhl« hat jeder sofort sein Bild vor den Augen: der Monobloc. Vom 17. März bis zum 18. Juni 2017 zeigt das Vitra Schaudepot in Weil am Rhein seine Entwicklung seit den frühen 1950er Jahren – von innovativer Verarbeitungstechnik entweder zur billigen Massenproduktion oder zum qualitativ hochwertigen Designklassiker:

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Wenn wir ehrlich sind, müsste der Monobloc auch als ein »Designklassiker« betitelt werden. Schon alleine weil der Plastikstuhl überall auf der Welt vertreten ist, ihn wirklich jeder kennt. Aber seine Massenproduktion in meist lausiger Verarbeitung, sein schwabbeliges Sitzgefühl und geringes Durchhaltevermögen lassen uns Abstand nehmen. Auch das Schaudepot des Vitra Design Museums beschäftigt sich nicht mit der Vielfältigkeit des heutigen Monoblocs, sondern rückt die Entwicklung der Materia­lien und der Verarbeitungstechniken in den Vordergrund. Denn die Vision einen Stuhl aus einem einzigen Materialstück herzustellen, beschäftigt die Designer seit den 1920er Jahren, zunächst aus Stahlblech oder unter Dampf aus Schichtholz gebogen. Erst in den 1950er Jahren bekommt der Gedanke mit der Entwicklung neuer Kunst­stoffe Rückenwind, einen Stuhl im Guss- oder Pressverfahren in einem Produktions­schritt herzustellen.

Verner Panton entwickelt seinen Panton Chair nicht nur über mehrere Jahre sondern verbesserte stetig die Materialzusammensetzung bis zur heutigen Polypropylen-Version

Schon zum 50. Jubiläum haben wir in unserem ikarus…design blog die Entwicklungs­geschichte des »Panton Chair« gewürdigt, mit wie viel Eifer Verner Panton seine Vision eines Freischwingers nur aus Kunststoff verfolgt. Nicht nur auf die Neuerungen der im Laufe seiner Jahre mehrmals wechselnden Materialzusammensetzung und Verarbeitungen, sondern auch die unterschiedlichen Verfahren der Design­konkurrenz in den 1960er Jahren – der »Bofinger« des deutschen Architekten Helmut Bätzner oder der »Serene« des italienischen Designers Vico Magistretti – werden in der Schaudepot-Ausstellung berücksichtigt. Und dass heute nicht jeder Kunststoffstuhl mit einem einzig wahren Spritzgussverfahren hergestellt wird, sondern wie für den »Vegetal« der Bouroullec Brüder das Spritzgussverfahren an das jeweilige Material und die spezielle Form angepasst werden muss, wird auch klar gestellt:

Vegetal Kunststoffstuhl der Bouroullec Brüder in technisch aufwendiger Spritzgusstechnik, um dem Design gerecht zu werden

Neben der technischen Entwicklung des Monobloc‌s gewährt das Schaudepot Einblick in seine kulturelle Bedeutung, vor allem die günstige, weltweit angebotene Massen­ware wird in eindrucksvollen Bildern untersucht: Während der billige Plastikstuhl hier meist zur Wegwerfware geriert, wird er anderswo als Wertgegenstand bewahrt und immer wieder repariert. Weitere Informationen zur Schaudepot-Ausstellung »Monobloc – ein Stuhl für die Welt«, die bis zum 18. Juni 2017 in Weil am Rhein läuft, finden Sie im

Vitra Design Museum, Weil am Rhein

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